42. Kabarett-Wettbewerb in Passau
Ein Nachwuchspreis ist das Passauer Scharfrichterbeil – so wie 1983 in den Statuten festgelegt – schon lange nicht mehr. War der erste Gewinner Hape Kerkerling damals ein Nobody und das Beil ein Sprungbrett für seine Karriere, bewerben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten immer mehr bekannte und schon erfolgreiche Künstler um den Preis. Die ureigenste Eigenschaft des Kabaretts, die hintersinnige oder messerscharfe Kritik an Gesellschaft und Politik steht auch nicht mehr im Mittelpunkt. Es sind Ich-Geschichten, die erzählt werden und mehr oder weniger kritisch bespiegelt werden. Wort- und Sprachwitz ist manchmal Glücksache.
Zurückhaltendes Publikum
Freilich: Die Gesellschaft ändert sich, somit auch die Bewerber und letztendlich die Gewinner. Auffallend war bei der Veranstaltung des 42. Scharfrichterbeils, wie wenig das Publikum reagierte und wie sehr es mit Szenenapplaus sparte. Und die, die den meisten Applaus erhielten, waren schließlich nicht die Gewinner. Denn darüber entscheidet eine Jury – die nicht mal genannt wurde. Das ist verbesserungswürdig. Junge Gesichter sah man in der Jury nicht. Das Publikum hat auch eine Stimme und entschied wie die Jury. Einige Besucher der Veranstaltung wollten auch die Begründung der Jury wissen, denn was Moderator und ehemaliger Beilgewinner Matthias Egersdörfer sagte, unterschied sich wenig von seiner Anmoderation und dem Pressetext, den das Scharfrichterhaus – wie immer in vorbildlicher Weise – an die Medien verschickte.
Komödiantischer Ausflug nach Oberammergau
Eine Tendenz der letzten Jahre bestätigte sich auch heuer: Am Treppchen stehen häufig Musikkabarettisten wie etwa in der Vergangenheit Norbert Bürger oder Lucy van Kuhl. Auch dieses Mal machte den ersten Preis ein doch schon recht bekannter Musiker: Maxi Pongratz, bekannt auch von Auftritten mit „Kofelgschroa“ aus Oberammergau. Er stellte Lieder u. a. aus seinem neuen, fünften Soloalbum „rum&num“ vor. Sein Akkordeonspiel begeistert, die Texte sind witzig, grotesk, erinnern manchmal an dadaistische Gedichte mit vielen Wiederholungen und Variationen. Die Thematik ist ein Ich-Kosmos vom Stottern bis zu den Ängsten. Ein Abstecher zu den Oberammergauer Festspielen muss für einen Oberammergauer sein. Ein komödiantischer Ausflug, präsentiert aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen.
Tolle Performance

Der zweite Platz ging AnnPhie Fritz. Die Wienerin, die in Berlin lebt, brachte eine absolut tolle Performance auf die Bühne: ihre Texte, die von der Innenwelt des Ichs ausgehen, weisen stets auf eine Außenwelt hin; sie sind spannend gebaut. Sie bearbeitet mehrere Themen, die alle gesellschaftskritisch sind. Da Fritz auch Schauspielerin ist, weiß sie die Texte mit sehr viel Bühnenkunst sowie Temperament zu unterlegen. Eine furiose One-Woman-Show mit feministischem Einschlag.
Publikumslieblinge
Publikumsliebling war das Duo Burloni das mit Visueller Comedy auftrat. Die zwei „Scherzkekse“ lieferten eine rasante Performance, die aus Pantomime, Slapstick, Geräuschkulisse und viel Tempo bestand: Herrlich die Skifabahrt, die im Himmel endet, und ein kleines, sehr fantasievolles Dramolett über die Weihnachtsgeschichte mit Espressokochern. Gut gebaute Story, schnell erzählt, mit viel Pantomime und verschiedenen Sprach- und Sprechstilen, alles in allem höchst originell und amüsant. Valter Rado und Tim Walter erhielten das kleine Beil.
Zwei weitere Kabarettisten im Wettbewerb waren die beiden Österreicher Mario Sacher und Niko Nagl. Die Grazerin Mona Kospach musste ihre Teilnahme wegen Krankheit absagen.
Die Veranstaltung wurde in das gut besuchte Scharfrichterkino übertragen.
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