„Es scheint mir ein wenig verrückt“
Der Nobelpreis für Literatur 2026 wird der kanadischen Autorin Anne Carson verliehen, „für ihr kühnes und erfinderisches Werk, das im spielerischen Dialog mit der klassischen Tradition neue Formen für die zeitgenössische Literatur geschaffen hat“. Dies hat die Nobelkommission heute auf ihrer Homepage bekannt gegeben.
Weiter hieß es: „Anne Carson hat im Laufe ihrer gesamten Karriere das Schreiben von Gedichten mit Übersetzungsarbeit und Lehrtätigkeit an verschiedenen Universitäten verbunden. Fast ihr gesamtes literarisches Schaffen konzentrierte sich auf die Schnittstelle zwischen der Besessenheit der Philologen mit Worten und dem Wunsch des Dichters nach neuer Bedeutung. Sie selbst hat die Etymologie der Wörter als Ausgangspunkt für all ihre Arbeit identifiziert.“
Ihre erste Reaktion
Auch Ihre erste Reaktion, als sie telefonisch in Island verständigt wurde, ist dort zu lesen. „Es erscheint mir ein wenig verrückt“, sagt Anne Carson. Sie verrät außerdem, dass sie bereits begonnen hat, zu planen, wie sie das Preisgeld verschenken kann, gibt Ratschläge für angehende Autoren und gibt einen Tipp für alle, die sich für ihre Arbeit interessieren: „Finde die Mitte und fang dort an.“
Preisverleihung am 10. Dezember
In ihrer von der Akademie zusammengestellten Biografie heißt es: Anne Carson wurde 1950 in Toronto, Kanada, geboren. 1981 veröffentlichte sie ihre Doktorarbeit in Klassischer Philologie mit dem Titel Odi et Amo Ergo Sum und hat während ihrer gesamten Karriere das Schreiben von Gedichten mit Übersetzungsarbeit und Lehrtätigkeit an verschiedenen Universitäten verbunden. Fast ihr gesamtes literarisches Schaffen konzentrierte sich auf die Schnittstelle zwischen der Besessenheit der Philologen mit Worten und dem Wunsch des Dichters nach neuer Bedeutung. Sie selbst hat die Etymologie der Wörter als Ausgangspunkt für all ihre Arbeit identifiziert.
Siehe auch https://www.nobelprize.org/prizes/literature/2026/press-release/
Am 10. Dezember wird sie den Preis in Stockholm entgegennehmen.
Folgende Werke gibt es auf Deutsch:
Glas, Ironie und Gott: fünf epische Gedichte und ein Essay über das Geschlecht des Klanges / aus dem amerikanischen Englisch von Alissa Walser und Gerhard Falkner. München: Piper, 2000
Rot: ein Roman in Versen / aus dem amerikanischen Englisch von Karen Lauer. München: Piper 2001
Decreation: Gedichte, Oper, Essays / aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Frankfurt am Main: S. Fischer, 2014
Anthropologie des Wassers / aus dem amerikanischen Englisch und mit einem Nachwort von Marie Luise Knott. Berlin: Matthes & Seitz Berlin, 2014
Albertine 59 Liebesübungen + Appendices / aus dem amerikanischen Englisch von Marie Luise Knott. Berlin: Matthes & Seitz Berlin, 2017
Rot: zwei Romane in Versen / aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Frankfurt am Main: S. Fischer, 2019
Der bittersüße Eros / aus dem nordamerikanischen Englisch von Christina Dongowski. Wien; Berlin: Turia + Kant, 2020
Dreizehn Blickwinkel auf einige Worte = Thirteen Ways of Looking at a Short Talk / aus dem Englischen von Anja Utler; herausgegeben von Matthias Kniep und Thomas Wohlfart.
Irdischer Durst / aus dem kanadischen Englisch von Marie Luise Knott. Anthologie. Berlin: Mathhes & Seitz Berlin, 2020
If Not, Winter/fehlst du, ist Winter: Fragments of Sappho/Fragmente der Sappho / übersetzt von Christian Steinbacher. Schupfart: Urs Engeler, 2023
An Antigone: (Sophokles) / aus dem amerikanischen Englisch von Marcus Coelen. Wien; Berlin: Turia + Kant, 2024
Norma Jeane Baker von Troja: eine Version von Euripides‘ Helena / aus dem amerikanischen Englisch von Marie Luise Knott. Berlin: Matthes & Seitz Berlin, 2025