Georg Baselitz ist tot

Georg Baselitz bei der Ausstellung „LUSTSPIEL“ im Arnulf Rainer Museum in Baden bei Wien. © Edith Rabenstein

Deutscher Maler und Grafiker starb im Alter von 88 Jahren

Georg Baselitz begegnete mir immer wieder bei verschiedenen Ausstellungen und Sammlungen. An große Ausstellungen seiner Werke erinnere ich mich in der Sammlung Kloster Neuburg bei Wien, an eine gemeinsame Ausstellung von Georg Baselitz und Arnulf Rainer im Arnulf Rainer Museum in  Baden bei Wien, kuratiert von dem niederländischen Kunsthistoriker Rudi Fuchs. Er  sagte über das Verhältnis der beiden Künstler: „Baselitz ist neun Jahre jünger als Rainer und die künstlerische Geschichte der beiden Künstler (in Deutschland und Österreich) ist unterschiedlich. Eine Ähnlichkeit gibt es jedoch: Sie sind Maler aus Veranlagung und die Lebendigkeit ihrer Handschrift war auf vielfältige Weise immer wichtig. Beide sind zudem sehr kluge und erfahrene Künstler und stehen mit wachsenden Jahren und entsprechender Weisheit sehr im Leben. Es erschien daher folgerichtig, die Schau jüngst entstandenen Arbeiten zu widmen – frisch und lebhaft. Es ist eine Freude, die beiden in ihren Ateliers zu beobachten – beim Erfinden ihrer Werke oder beim Ausprobieren unbekannter Strategien. Die erstaunliche Freiheit ihrer aktuellen Produktion ist ihnen sehr ähnlich. Sie scheinen sich wirklich zu vergnügen. Daher trägt die Ausstellung mit ausschließlich neuen und frischen Exponaten den Titel: „LUSTSPIEL“.

In der persönlichen Begegnung war der Künstler, der als Rebell galt – auch weil er die Welt buchstäblich auf den Kopf stellte -, eher ein zurückhaltender, ruhiger und feiner Mensch, der den Rummel um ihn mit Skepsis betrachtete.

Die letzte große Ausstellung, die Baselitz selbst kuratierte, fand 2023 im Kunsthistorischen Museum in Wien statt. Lesen Sie dazu meine Besprechung, die im Feuilleton der Passauer Neuen Presse erschien.

Kunstminister Markus Blume zum Tod des Künstlers

Zum Tod von Georg Baselitz erklärt Bayerns Kunstminister Markus Blume in einer Presseerklärung: „Mit Georg Baselitz verliert die Welt einen der radikalsten und zugleich einflussreichsten Künstler unserer Zeit. Sein Werk war nie gefällig – es war eine fortwährende Herausforderung an unser Sehen, unser Denken und unser Verständnis von Kunst. Baselitz hat die Malerei auf den Kopf gestellt, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Kunst als bewusste Irritation, als Akt der Selbstbefragung, als Spiegel einer zerrissenen Nachkriegsgesellschaft war Kern seines Schaffens.“

Über 31 Werke in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung

Blume weiter: „Baselitz hat Generationen von Künstlerinnen und Künstlern inspiriert, den Mut zum eigenen Ausdruck über Konvention und Erwartung zu stellen. Seine Werke bleiben lebendige Zeugnisse einer künstlerischen Haltung, die sich jeder Vereinnahmung entzieht. Ich bin stolz, dass sein Schaffen auch in Bayern Spuren hinterlassen hat – vom Bühnenbild des Parsifal in der Bayerischen Staatsoper über 31 Werke im Besitz der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen bis zu den graphischen Werken in der Staatlichen Graphischen Sammlung, die seine Entwicklung von den frühen 1960er Jahren bis in die Gegenwart nachzeichnen.“

Georg Baselitz hatte den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen im Sommer 2018 zu Ehren von S.K.H. Herzog Franz von Bayern sechs Gemälde und eine Skulptur geschenkt. Die sieben Werke stammen aus den Jahren 2008 bis 2017. Die Bayerische Staatsoper bringt nach wie vor Wagners Parsifal mit Baselitz‘ Bühnenbild zur Aufführung, der im Juni 2018 Premiere hatte.