Komiker Hape Kerkeling erhielt den Menschen in Europa-Award in Passau
Mit 18 Jahren hatte er in Passau seinen ersten Preis erhalten: das Scharfrichterbeil. Am Donnerstag erhielt der 61-jährige Hape Kerkeling seinen zweiten: Der Comedian, Schauspieler und Autor wurde im Passauer Medienzentrum mit dem „Menschen in Europa-Award“ der Mediengruppe Bayern für sein Lebenswerk „als großartiger Künstler mit gesellschaftlicher Haltung“ ausgezeichnet, wie die Gründerin der Reihe MiE, Verlegerin Angelika Diekmann, betonte. Sie hob hervor, dass seine berufliche Reise in Passau begann. Neben seinen vielen beruflichen Erfolgen erwähnte sie sein Buch „Ich bin dann mal weg“, das zum meistverkauften Sachbuch der Nachkriegszeit wurde.
Die launige Laudatio auf seinen Freund hielt Hannes Ringlstetter („Ich bin Konsument Deiner Humorkarriere“) u. a. mit einem witzigen und hintergründigen Gedicht. Im Anschluss moderierte er lässig, schlagfertig und ohne Manuskript ein ca. einstündiges Gespräch mit seinem Künstlerkollegen Hape Kerkeling.
Zwei Wegbegleiter des Scharfrichterhauses und Hape Kerkelings wurden extra begrüßt: Sigi Zimmerschied und Ottfried Fischer.
Das waren die wichtigsten Themen:
Freude und Liebe für die Stadt

Natürlich thematisierte Hape Kerkeling seinen ersten Auftritt in Passau. Nur weil ein anderer ausfiel, sei er übehaupt zum Zug gekommen. Der Wettbewerb war damals nur für Kabarettisten aus Bayern und Österreich ausgeschrieben gewesen. Er verriet auch, wie er überhaupt das Scharfrichterbeil mit einer Geschichte über Meerschweinchen gewinnen konnte. „Die waren jetzt erstmal irritiert“, erinnerte sich Kerkeling – bis Jurypräsident Ottfried Fischer mit der Faust auf den Tisch gehauen habe und explodiert sei vor Lachen. „Dann habe ich gedacht, gut, ich konzentriere mich jetzt auf diesen einzelnen Herrn.“ Dass er das Beil letztlich gewann, habe ihn selbst überrascht.
Ringlstetter meinte, Kerkeling sei ein Barockmensch. Das Barocke, Katholische trage er in sich, antwortete dieser. Er sei bei seiner Großmutter aus dem Böhmerwald aufgewachsen. „Das war Luftlinie ca. 50, 60 Kilometer von hier. „Das ist mir vertraut, vor allem durch die Küche.“ Die Dreiflüssestadt lobte er überschwänglich oder war’s doch Captatio benevolentiae? In Rhetorik ist Hape Kerkeling super gewandt. „Die Stadt hat etwas Magisches. Passau hat in seiner barocken Bescheidenheit durch die Größe, etwas unglaublich Europäisches.“ Für ihn fühle sich das wie eine Weltstadt an.
Humor und Publikum
Vor jeder Sendung oder jedem Life-Auftritt habe er sich immer gesagt, dass da auch Personen sitzen, die etwas Schreckliches durchlebt haben. „Genau diese Menschen wolle er erreichen, „Wenn ich es schaffe, dass die fünf Minuten einfach mal vergessen, dann ist mir keine Albernheit zu schade, dann sollen sie über mich lachen. Dann sollen sie ihren Spaß haben. Wenn ich das erreiche, ist viel erreicht.“
Politik
Ihn irritiert nicht, dass er jetzt oft politisch wahrgenommen werde. Ihm wurde zwar das von Kollegen geraten: Sei unpolitisch. Er sei aber als Schüler schon politisch aktiv gewesen, habe sich ein politisches Amt für sich vorstellen können. Dann sei die Komikerkarriere dazwischen gekommen. „Die Leidenschaft für Politik ist geblieben.“ Er zitierte Hannah Arendt: „Jeder Einzelne muss an dem Punkt, wo er steht, arbeitet, lebt, Haltung zeigen.“ Gerade nach Hass und Hetze denke er sich: „Sei einfach du selbst, die Demokratie, die du dir wünscht. Leb das.“ Und weiter: „Wenn wir das alle tun, glaube ich, dann ist viel gerettet.“
Wie begegne er dem Hass und gar den Todesdrohungen, fragte Ringlstetter. Hass und Hetze müsse man aushalten – „es bleibt einem gar nichts anderes übrig.“ Hape Kerkeling erinnerte an die „Filtersysteme“, die man 60 Jahre in der Republik hatte. Das alles falle in den Internet-Medien weg. „Ich würde mir verpflichtende Moderationen wünschen, dass Häme und Hetze und Erniedrigung von Menschen dort nicht stattfinden, denn auch dort ist ein öffentlicher Raum.“
Er spreche sich seit Jahren gegen die AfD aus und plädiere für ein Verbotsverfahren. „Ich finde, einer muss es tun!“ Die Partei stelle den Parlamentarismus infrage und wolle den Ort abschaffen. „Dass es so viele Anhänger gibt, die das richtig finden, das finde ich irritierend, verwirrend und beängstigend.“ Er habe in all den Jahren keinen konstruktiven Beitrag von dieser Seite erfahren. „Es endet für mich, wie auch immer, auf dem Schafott.“
Kirche
Dass Kabarett und Kirche wenig zusammenpassen – das ist ein uraltes Thema. Sowohl Ringlstetter als auch Kerkeling sind aus der Kirche ausgetreten. Doch Ringlstetter stellte fest: Die mahnendste Stimmen kämen jetzt aus der Kirche, so Ringlstetter. Er freue sich jetzt, wenn der Papst im Fernsehen auftitt. Er wüsste dann: „Jetzt sagt einer mal was Freundliches.“
Hape Kerkeling: „Ich habe mich voll und ganz auf die Seite der Kirche geschlagen. Unsere Vorstellung ist von der jüdisch-christlichen Kirche geprägt.“ Die Würde de Menschen – das sei ein Begriff aus der Kirche. Sein Mann und er ertappten sich dabei, Sonntagsmessen im TV anzusehen, die sie als stärkend empfinden. „Die Themen, die unter deren Nägeln brennen, werden nicht ausgespart.“
Europa
Was müsse man tun, dass die Werte Europas wieder hochgehalten werden? Wir müssten uns klar darüber sein, dass wir die meisten Grenzen in Europa haben. Man sollte sich mehr mit den Nachbarn zusammentun, dann sei man stark. „Wir sollten uns sehr auf das harmonische Zusammenspiel mit unseren Nachbarn konzentrieren.“
Das Schlusswort
„Es gibt kaum einen würdigeren Preisträger in diesem Jahr für diesen Preis. Danke für dein offenes Herz, danke für deine leise und manchmal doch laute Stimme, für deinen Witz, der immer wieder durchscheint, egal wie ernst die Themen sind – das liebe ich sehr. Es war mir ein großes Vergnügen“, lautete das Schlusswort Ringlstetters. An den Gesichtern der rund 500 Besucher der Veranstaltung war zu lesen, dass der Abend auch für sie ein Vergnügen war.
Der Abend wurde umrahmt von Jazzmusiker Günther Straub. Durch den Abend führte Raimund Meisenberger, Leiter der Feuilletonredaktion, der das Publikum nach „diesem herrlichen Abend und dem bereichernden Gespräch“ verabschiedete.
So mancher verweilte noch in den Ausstellungen „Internationale Kunst“ sowie den Fotoausstellungen von Barbara Klemm, Frankfurt, und Rudolf Kaffenböck, Passau, der ausgewählte Veranstaltungen von MiE seit zwei Jahrzehnten dokumentierte. Er war ebenfalls Gast der MiE-Veranstaltung.
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Die Ausstellungen laufen bis 27. November, geöffnet Mo. bis Do. von 8 Uhr bis 15 Uhr, Fr. von 8 Uhr bis 13 Uhr (außer an Veranstaltungstagen), freier Eintritt
Führungen: Donnerstag, 15. Oktober 2026, und Freitag, 6. November 2026, jeweils um 14 Uhr
Anmeldung: Tel. 0851/802202