Beseelter Konzertabend unter Ektoras Tartanis

Diigent Ektoras Tartanis und Sängerin Taxiarchoula Kanati nach den wundervoll interpretierten Strauss-Liedern. © Edith Rabenstein

Symphoniekonzert der Niederbayerischen Philharmonie in Passau

 

Seit drei Jahren ist Ektoras Tartanis als Chefdirigent am Passauer Opernhaus und hat die Niederbayerische Philharmonie wundervoll weiter entwickelt. Mit dieser Saison ist sein Vertrag beendet. Leider! Am Samstagabend dirigierte er sein letztes Konzert im Fürstbischöflichen Opernhaus, ein Open-Air-Abend bei den Burgenfestspielen auf Oberhaus am 17. Juli wird der allerletzte Konzertabend des energiegeladenen und charismatischen Stuttgarters mit griechischen Wurzeln, der 2024 mit dem Preis „Karolos Koun“ die höchste griechische Auszeichnung für Kunstschaffende in der Sparte Musik und Theater erhielt.

Richard Strauss und Gustav Mahler

„Nicht von dieser Welt“ ist der Titel des Symphoniekonzerts IV, das Richard Strauss‘ „Vier letzte Lieder“ und Gustav Mahlers „Sinfonie Nr. 4 in G-Dur im ausverkauften Theater zusammenführte.

Die Lieder, die vom Komponisten nicht als Zyklus gedacht waren, sondern von dessen Verleger posthum ediert und betitelt wurden, gehören zum Schönsten, was der spätromantische Liedgesang zu bieten hat. Sympathisch, dass Ektoras Tartanis am Beginn erzählte, dass diese Lieder es waren, die ihn zur klassischen Musik geführt haben.

Die Lieder wurden nicht in der Reihenfolge der Uraufführung, sondern in heute üblichen gespielt: „Frühling“, „September“, „Beim Schlafengehen“ (nach Hermann Hesse) und „Im Abendrot“ (nach Joseph von Eichendorff).

Schimmernde Sinnlichkeit, schlanke Höhe

Die griechische Sängerin Taxiarchoula Kanati war der Gast des Abends, mit der Tartanis schon mehrfach gearbeitet hat. Vermutlich war es ihre Stimmentwicklung, die sie besonders prädestiniert hat für die Strauss-Lieder. Taxiarchoula Kanati debütierte 2022 bei den Salzburgerfestspielen. Die Mezzosopranistin hat ihre Stimmlage zum Sopran entwickelt und verbindet auf vorzügliche Weise die Qualität beider Stimmfächer. Taxiarchoula Kanatis Stimme verfügt über Wärme, Farbenreichtum und schimmernde Sinnlichkeit eines Mezzos und kann sich doch auch erstaunlich schlank zu einer leichte Höhe aufschwingen. Sie führt ihre Stimme sehr intelligent, weiß Sentiment einzusetzen, ohne manieriert zu sein.

Jubel beim frenetischen Schlussapplaus für Ektoras Tartanis und Taxiarchoula Kanati, links in der ersten Reihe Konzertmeister Christian Scholl. © Edith Rabenstein

Dies beweist sie auch im vertonten Gedicht „Das himmlische Leben“ aus der Sammlung „Das himmlische Leben“ aus der Sammlung „Des Knaben Wunderhorn“ von Clemens Brentano und Achim von Arnim“ am Ende der Sinfonie Nr. 4 in G-Dur. Zart, mädchenhaft und naiv interpretiert sie da die Schlussverse.

Es ist das erste Mal, dass die Niederbayerische Philharmonie dieses anspruchsvolle Stück spielt. Daran kann man durchaus auch das Wachsen des Orchesters unter der Leitung des Chefdirigenten ermessen.

Schräges Scherzo auf „Totenfidel“

Dirigent Tartanis setzt ganz auf die Ambivalenz dieses Stückes, das einerseits so spielerisch wie zum Beispiel im ersten Satz mit tänzerischer Leichtigkeit und Schellenbaum daherkommt, dann aber zu einem grotesken Totentanz verfällt; der scheinbaren Idylle wird stets ein Weltenchaos gegenübergesetzt.

Herrlich schräg ist das Scherzo, das Konzertmeister Christian Scholl auf einer zweiten, höher gestimmten und schon parat liegenden Geige spielt. Auf dieser „Totenfidel“ blickt Meister Hein den Zuhörern ins Gesicht.

Verdienter Jubel am Ende

Tartanis arbeitet die Vielschichtigkeit und die einzelnen Strukturen sehr durchsichtig heraus. Der Dirigent ist detailfreudig, und das Orchester geht wunderbar mit. Die Solisten lassen sich auf den Dirigenten ein und werden sensibel geführt. Die zahlreichen Solos gelingen alle. Man sieht viele glückliche Gesichter, nicht nur im Publikum, sondern auch auf dem Podium.

Am Ende gibt es verdienten großen Jubel für Ektoras Tartanis,  Sängerin Taxiarchoula Kanati und die Niederbayerische Philharmonie, die einen beseelten Konzertabend gestalteten.