Ein intimer Moment mit 20 000 Besuchern

Tenor Jonas Kaufmann sang italienische Arien beim Konzert mit den Berliner Philhamonikern auf der Waldbühne. © Screenshot Edith Rabenstein

Jonas Kaufmann auf der Waldbühne

 

Das Abschlusskonzert der Berliner Philharmoniker ist traditionell ein großes Open Air auf der Waldbühne in Berlin. Dieses Mal bin ich am Fernsehen mit dabei.

Der Sender 3sat macht mir mit seiner Reihe „Festivalsommer“  klar, warum ich Fernsehgebühren zahle. Die öffentlich-rechtlichen wollen mich mit Krimis oder Schlagersendungen überhäufen, so dass ich schon lange Zweifel am Bildungsauftrag oder auch an der  Ausgewogenheit ihrer Angebote habe. Außerdem: Klassik ist auch Unterhaltung. Bestenfalls allerbeste Unterhaltung. Gestern also mit 20 000 Besuchern in Berlin und hoffentlich einem Millionenpublikum via TV.

„Viva Italia“ war das Motto

Der Klangkörper ist exquisit, Solist Jonas Kaufmann ein Publikumsliebling – und Dirigent Kirill Petrenko „phänomenal“, wie der Münchner Tenor in der Pause schwärmt. Er liebe an Petrenko, dass er bei den Proben so genau zuhöre und akkurat sei und im Konzert dann so entspannt genieße.

„Viva Italia“ war das Motto in dieser heißen Sommernacht, in der Jonas sagte, und von seiner Liebe zu Italien und der Italiener zu ihm erzählte. So tritt er regelmäßig in der Arena di Verona auf.

Auf dem Programm standen Blockbuster der italienischen Opernliteratur, z. B. zwei Tenor-Arien aus „Pagliacci“ von Ruggero Leoncavallo, der Prolog des Tonio Si, può?“ und „Recitar … Vesti la giubba“,  die Arie des Canio. Glänzend auch Jonas Kaufmanns „Amor ti vieta“ aus Umberto Giordanos Oper „Fedora“.

Am berührendsten war jedoch das wunderbare kleine Lied „Ombra di nube“ von Licinio Refice. Da gelang Kaufmann ein stiller konzentrierter, inniger und intimer Moment inmitten von 20 000 Besuchern.

Das Orchester ließ die Brunnen sprudeln

Die Berliner Philharmoniker durften wegen der großen Hitze in schwarzen Hemden spielen. Wunderbar differenziert: Giuseppe Verdis Ouvertüre aus „La forza del destino“ ist beliebtes Repertoirestück im Konzertleben. Der Höhepunkt der Sinfonik an diesem Abend waren zwei Werke Ottorino Respighis. In „Fontane di Roma“ hörte man das Wasser springen, zischen, glucksen, plätschern und immer wieder in hohen Fontänen aufsteigen, herrlich lautmalerisch von den Instrumentengruppen gespielt. Die „Pini di Roma“ brachten dann Donnergrollen am Himmel Berlins. Kirill Petrenko rief – aus Sicherheitsgründen – zum Verlassen der Waldbühne auf. Als Rausschmeißer, den nur wenige Ernst nahmen, gab es wie stets am Ende der Waldbühnen-Konzerte „Berliner Luft“, den Operettenschlager von Paul Lincke.