Simone Hamann und Robert Dufter
Schon lange gab es keine Schau mit nur Konkreter Kunst in Passau. Jetzt kann man diese Kunstrichtung, die auch in der zeitgenössischen Kunst einen festen Platz hat, in der St.-Anna-Kapelle sehen. Der Kunstverein präsentiert Werke von Simone Hamann und Robert Dufter. „Punkt Komma Strich“ ist der treffende Titel der Schau, die Ausstellungsleiterin Christina Bielitza kuratierte.
Als Urknall der Konkreten Kunst wird in der Kunstgeschichte das Gemälde „Schwarzes Quadrat“ des russischen Künstlers Kasimir Malewitsch. Er brach nicht nur mit der Tradition mit der Ungegenständlichkeit sein Bildes, sondern wollte es auch als mathematisches Konstrukt verstanden wissen. Den Begriff „Art Concrèt“ erfand allerdings der der niederländische Künstler Theo van Doesburg 1930, demzufolge die Komposition eines Werks auf Basis objektiver geometrischer Gesetzmäßigkeiten entwickelt werden sollte. Und nicht von der Emotion! Die Gruppe der „Züricher Konkreten“ formulierten Thesen dazu.
Jede Kunstrichtung durchlebt Wandel
Freilich: Wie jede Kunstrichtung ist auch diese dem Wandel unterworfen. Bestes Beispiel dafür sind die beiden oben genannten Künstler.
Simone Hamann, 1974 in München geboren, lebt und arbeitet seit 2023 in Niederbayern. Hamann studierte Malerei an der Accademia di Belle Arti in Rom sowie Kunst und Philosophie an der LMU München und an der Universität Passau. Von 2014 bis 2020 war sie in zwei Atelierförderprogrammen der Landeshauptstadt München. Sie ist Mitglied im MMK München/Oberbayern und Mitglied im BBK Niederbayern.
Robert Dufter, 1969 geboren in Traunstein, lebt und arbeitet er im oberbayerischen Siegsdorf. Sein Weg führte über die Fachoberschule für Gestaltung an die Fachhochschule München zum Fach Druckereitechnik, das er als Diplomingenieur abschloss. Er hat sich auf Kunst-am-Bau-Projekte spezialisiert. Auch ist er im Kunstverein Traunstein im Vorstand. 2018 war er Preisträger Kunst_am_Bau „textile_future“ bei Brückner Textilmaschinen; 2020 erreichte er den 1. Platz Kunst_am_Bau „see_you“ am Bezirksamt Lichtenberg Berlin.
Susanne Hamann folgt in der Schau dem Formprinzip rund – als Punkte, Kreise oder rundliche amorphe Farbflächen. Robert Dufters Arbeiten in der Ausstellung bestehen aus eckigen Flächen und Linien. Insofern sind die beiden wichtigsten Formen der Konkreten Kunst in der Ausstellung zusammengeführt. Bei beiden spielen auch Proportionen und Rhythmen eine Rolle.

Dabei folgt Robert Dufter häufig streng den Verhältniszahlen der Fibonacci-Reihe., Zahlenfolge, bei der sich die jeweils nächste Zahl durch die Addition der beiden vorherigen Zahlen ergibt. Die Ergebnisse sind verblüffend – manchmal auch für ihn selbst. Simone Hamann arbeitet am Beginn intuitiv, die Ordnung entwickelt sie durch den Entstehungsprozess.
Konkrete Kunst will nur für sich entstehen und ist meist nicht betitelt. Bei den aktuell ausgestellten Künstlern schon – sie regen dadurch einen Seh- und Denkprozess an. So etwa bei Dufters „Fibonacciis_Weg_26_6_04“ (Wandobjekt, Holz, Acrylfarbe 2026) oder Hamanns „bubbles:cloudpaor no.12“ (Acryl auf Nessel, 2024) – um nur zwei Beispiele zu nennen.
Thema Wahrnehmung
Gerade diese Kunst macht einmal mehr deutlich, wie sehr es um Wahrnehmung geht, den Sinneseindruck, den die Kunst bei dem Betrachter hinterlässt. Denn Kunst, ob beabsichtigt oder nicht, lebt auch durch seinen Rezipienten. Ob er das schön, interessant, eigenwillig oder passend zu seinem Interieur sieht, ist ihm überlassen. Schon bei der Vernissage sah man „rote Punkte“ an die Wand geklebt. Das heißt: Verkauft! Eine sehenswerte Ausstellung, die Ruhe verströmt und entschleunigt. Das ist etwas Wunderbares in einer Welt, die immer in Eile scheint.
——————————————————————-
„Punkt Komma Strich“ in der St.-Anna-Kapelle Passau, Heiliggeistgasse 4, bis 26. Juli, geöffnet Di.-So. 14 bis 17.30 Uhr.